Marketing-Fail
June 29th, 2010Ich habe gerade auf der Mailingliste von meinen Freunden eine E-Mail mit einem sensationellem Angebot bekommen, weil mir jemand “etwas Gutes tun” möchte. Ok, vom Wortlaut her kennt man das schon, wäre es nicht über dieser Mailingliste gekommen, hätte vermutlich der Spamfilter zugeschlagen. Folgendes sollte man dazu über diese Mail wissen:
Sie wurde CC (nicht BCC) an die etwa 240 Mitglieder der Liste versandt (Danke! Nun muss ich mir für die nächste Werbeaktion keine Liste mühsam zusammensuchen).- Der Anhang mit dem sensationellen Angebot war im .ppt Format (Powerpoint).
- Der Anhang war mit DRM versehen und lies sich nicht öffnen.
Allein der erste Punkt reicht bei geübten Maillinglisten-Teilnehmern aus, um die Gallenblase zum Vibrieren zu bringen. Ob das sensationelle Angebot nicht eventuell doch nur die Werbung war, die der spamübliche Wortlaut der E-Mail vermuten lässt, kann Ich aufgrund des dritten Punktes nur erahnen. So weit so gut, man kann schon ahnen, was darauf hin losbrach…
(eher niedlich)
Innerhalb von ein paar Minuten gab es eine zweistellige Zahl von Antworten, davon eine Entschuldigung für das CC von der Damen, die netterweise das sensationelle Angebot an die Liste weitergeleitet hat, der Rest eher so das, was man erwarten würde. Wobei durch die Business-Nähe der Mailingliste die übliche Fäkalsprache und Gewaltandrohungen weitestgehend ausblieben.
Die letzte Mail bisher besteht aus einer Antwort des Freundes, der das sensationelle Angebot ursprünglich erstellt hatte, in dem er die vorhergehenden Mailenden in etwas längeren Worten und mit vielen Ausrufezeichen sinngemäß mitteilt, dass sie halt selbst Schuld sind, dass sie an dem sensationellen Angebot (und den Folgenden) nun nicht mehr teilhaben können und er sei dann mal weg und tritt zurück etc. pp. Darunter groß der Name und die Firma.
Weil ich nicht immer nur meckern (oder, wie in diesem Fall, mitleidig lächeln) möchte, sonder auch etwas Konstruktives beitragen will, hier ein paar einfach Tipps, was man besser machen kann:
- Bei jeder Massenmail vor dem Absenden drei mal checken, dass man BCC und nicht CC an die Liste sendet.
- Im Titel und Textteil einer Mail auf solche Wörter verzichten, die den Spamfilter klingeln lassen, wie zum Beispiel “Viagra”, “Mortage”, “sensationelles Angebot”.
- Generell würde ich bei überdurchschnittlich belesenem Publikum (wie auf dieser Mailingliste zu erwarten) davon ausgehen, dass sich jeder selbst ein Bild davon machen möchte, wer wem “etwas Gutes tun” möchte. Erwähnung im Textteil ist daher eher kontraproduktiv.
- Mehrere Ausrufezeichen gelten im Internet allgemein als Zeichen von fragwürdiger Intelligenz, Unwissenheit, geringem Alter oder Spam oder einer Mischung aus diesen.
- Wenn ich ein Angebot an über 200 Empfänger verschicke, mir dabei den ein oder anderen Faux Pas leiste, so ist es nicht sonderlich viel wenn sich nur etwa 20 der Empfänger beschweren.
- Wenn es zu Beschwerden auf der Mailingliste kommt, empfehle ich, berechtigte Beschwerden freundlich zu beantworten. Sollte dies aus charakterlichen Gründen nicht sofort möglich sein, ist dies auch etwas 24 Stunden später noch früh genug. Unberechtigte Beschwerden empfehle ich zu ignorieren. Eine schlechte Antwort wäre etwa, den Beschwerdeinhalt zu ignorieren, die Beschwerdeführer zu beleidigen, die Veranstaltung zu verlassen und dabei die Türe hinter sich zuschlagen zu lassen.
- Beleidigende Mails am zweitbesten anonym versenden, am besten jedoch gar nicht. Schlecht: Firmenname groß darunter (außer es handelt sich um ein Inkasso-Unternehmen o.ä.).
Ich hoffe, damit habe ich dem ein oder anderen über die holprige Einstiegshürde der E-Mail-Kommunikation hinweg geholfen.




